Future Skills sind die Kompetenzen, die ich brauche, um in unserer schnell verändernden und krisenbehafteten Welt aktiv handlungsfähig zu werden, zu sein und zu bleiben.
Ich halte diese drei Kompetenzen für besonders entscheidend: Lernkompetenz, Change Management & AI Leadership sowie Verantwortungsübernahme.
Lernkompetenz ist für mich untrennbar mit dem Anspruch verbunden, sich lebenslang weiterentwickeln zu wollen. Sie bedeutet, offen zu bleiben, neugierig zu sein und bereit, eigene Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen. Nur so können wir mit Veränderungen Schritt halten und Fortschritt aktiv mitgestalten, statt von ihm überrollt zu werden.
Change Management und AI Leadership sind zentrale Fähigkeiten, um notwendige Transformationsprozesse wirksam zu begleiten. Es geht nicht nur darum, einzelne Maßnahmen umzusetzen, sondern darum, tief verankerte Systemstrukturen zu verstehen, zu reflektieren und – wo nötig – neu zu entwickeln. Gerade im Kontext technologischer Entwicklungen und künstlicher Intelligenz braucht es Führung, die Orientierung gibt, Verantwortung übernimmt und Innovation mit ethischem Bewusstsein verbindet.
Verantwortungsübernahme bedeutet für mich vor allem: ins Handeln kommen. Reines Reden reicht nicht aus – weder heute noch in Zukunft. Diese Kompetenz befähigt Menschen, gemeinsam zu gestalten und Verantwortung füreinander zu übernehmen. Sie ist die Grundlage für eine demokratische, gerechtere, nachhaltigere und zukunftsorientierte Gesellschaft.
Die systematische Förderung von Future Skills nimmt einen hohen Stellenwert in meiner Arbeit als Geschäftsführerin bei der Future Skills Alliance ein. Als Verein arbeiten wir kollaborativ. Wir bündeln Synergien, bringen uns kompetenzübergreifend ein und beleuchten Lücken, die wir schließen wollen. Voraussetzungen dafür sind ein Vernetzen der Akteur*innen und das Brücken bauen zwischen Übergängen und Schnittstellen. Dazu sind das Erkennen, Verstehen und Sichtbarmachen dieser Lücken essenziell und notwendig, um systematisch und im Sinne einer zukunftskompetenten Gesellschaft vorwärtszukommen.
Die Future Skills Alliance hat sich zum Ziel gesetzt, Bildung nachhaltig zu verändern. Wir sind überzeugt: Bildung ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen, technologisch fortschrittlichen und sozial gerechten Zukunft. Deshalb verstehen wir es als unsere zentrale Verantwortung, aktiv an der Gestaltung einer zukunftsfähigen Bildungslandschaft mitzuwirken. Eine digitale und zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt ist dabei selbstverständlich Teil dieser Entwicklung. Die Auseinandersetzung damit darf jedoch nicht erst im Berufsleben beginnen – dort werden entsprechende Kompetenzen längst vorausgesetzt. Wenn wir Menschen befähigen wollen, souverän, reflektiert und verantwortungsvoll mit neuen Technologien umzugehen, muss die Anwendung und das Verständnis deutlich früher ansetzen. Als Future Skills Alliance leisten wir hierzu einen konkreten Beitrag: Wir bündeln Wissen, schaffen Räume zum Ausprobieren und zum Austausch von Ideen und setzen uns für die notwendigen technischen Voraussetzungen ein. Darüber hinaus pilotieren und testen wir innovative und sinnvolle Anwendungsfelder und machen diese zugänglich. Ebenso zentral ist für uns die Begleitung beim Kompetenzerwerb – verbunden mit einem starken Weiterbildungsangebot als Grundlage für nachhaltige Transformation. Unser Ziel ist es, nicht nur über Veränderung zu sprechen, sondern sie gemeinsam möglich zu machen.
Nicht an KI delegiert werden sollten Empathie, Beziehungsarbeit und pädagogische bzw. soziale Führung. Gerade in Bildung, Leadership und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Gestaltung geht es für mich um Vertrauen, Haltung und auch Vorbildfunktion. Qualitäten, die für mich nicht automatisierbar sind.
Zauber der Analogie
Erstens in der Entwicklung und im Ausbau von Innovationskompetenz. Wir können jederzeit lernen – und wir können Strukturen, die von Menschen geschaffen wurden, auch wieder verändern. Nichts muss so bleiben, wie es war. Dafür brauchen wir Räume, in denen wir Fehler machen und aus ihnen lernen dürfen. Räume, in denen freies Denken, gemeinsames Ausprobieren und offener Austausch möglich sind. Und wir brauchen einen internationalen Blick, der nicht von Konkurrenz geprägt ist, sondern von Inspiration – von der Bereitschaft, von Ländern und Systemen zu lernen, die in bestimmten Bereichen bereits weiter sind.
Zweitens sehe ich eine wachsende Lücke in unseren Diversitätskompetenzen. Die Fähigkeit, andere Perspektiven und Lebensrealitäten einzubeziehen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und Ungleiches auch ungleich zu behandeln – nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlichen Ausdruck von Gerechtigkeit – ist zentral für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Hier besteht großer Handlungsbedarf.
Drittens plädiere ich dringend dafür, überall dort, wo es nicht zwingend notwendig ist, das Prinzip des „Teaching to the test“ zu beenden. Zu oft wird kurzfristig abrufbares Wissen geprüft. Was wir stattdessen brauchen, sind vernetztes Denken, erfahrungsbasiertes Lernen, die Lust am Experimentieren und die Bereitschaft zu scheitern. Ebenso wichtig ist die Anerkennung für das Wissen anderer und die Dankbarkeit, voneinander lernen zu dürfen.
Wenn wir diese drei Felder ernsthaft angehen, schaffen wir die Grundlage für echte Transformation – nicht nur im Bildungssystem, sondern gesellschaftlich insgesamt.
Haltung ist für mich die Grundlage jedes Kompetenzerwerbs. Sie entscheidet darüber, ob Entwicklung überhaupt möglich wird. Glaube ich an mich selbst? Bin ich bereit, mich weiterzuentwickeln? Kann ich aushalten, etwas noch nicht gut zu können – und habe ich den Willen, daran zu arbeiten?
Diese Fragen klingen einfach, sind aber zentral. Lernbereitschaft bedeutet auch, Unsicherheit zu akzeptieren, Fehler als Teil des Prozesses zu verstehen und sich nicht über kurzfristige Perfektion zu definieren. Ohne diese innere Offenheit bleibt jede Kompetenz oberflächlich. Haltung ist zudem eng mit Verantwortungsübernahme verbunden: für sich selbst und für andere. Wer Verantwortung tragen will, braucht Selbstreflexion, Integrität und die Bereitschaft, die eigenen Annahmen immer wieder zu prüfen.
Entscheidend ist außerdem die Kompetenz des kritischen Denkens. Die Fähigkeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden, Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Perspektiven einzuordnen, ist Voraussetzung dafür, technische oder methodische Kompetenzen sinnvoll auszuwählen und anzuwenden. Ohne diese Reflexionsfähigkeit wird es schwierig, in einer dynamischen, technologisch geprägten Welt agil zu handeln und Entwicklungen kontextsensibel einzuordnen.
Haltung macht Zukunftsgestaltung erst möglich.
Ein neues Bild von Lernen setzen – ein Bild das Lernende ins Zentrum stellt, damit Selbstbestimmung, Partizipation und Teilhabe gestärkt wird. Lernen darf Freude bereiten und überall stattfinden. Der eigene Weiterbildungsanspruch sollte nie enden, v.a. nicht an den bisher vordefinierten Bildungsstationen. Lernen muss neben den Basiskompetenzen Zukunftskompetenzen abbilden, damit wir uns gesellschaftlich gerechter, nachhaltiger und liberaler aufstellen können.
Spontan entscheide ich mich für die Kommunikationskompetenz. Es ist mir sehr wichtig, zielgruppen- und bedarfsorientiert aus meinen unterschiedlichen Rollen heraus zu kommunizieren. Kommunikation hat sehr viel Kraft zu verbinden, Klarheit zu schaffen und ist für mich die Basis, um gemeinsam voranzukommen. Sie drückt Wertschätzung aus, bezieht aktives Zuhören, um zu verstehen mit ein und lässt mich bessere Entscheidungen treffen.
Ich glaube, wir unterschätzen als Gesellschaft häufig die Menschen, die besondere Hürden überwunden oder sogar unmenschliche Herausforderungen überlebt haben. Gerade sie verfügen oft über zutiefst menschliche Future Skills: Resilienz, Anpassungsfähigkeit, Perspektivwechsel, Empathie, Durchhaltevermögen. Von diesen Erfahrungen zu lernen, sollte viel stärker in unseren gesellschaftlichen Fokus rücken. Dafür müssen wir allerdings aufhören, vorschnell defizitäre Annahmen zu treffen. Stattdessen brauchen wir einen konsequent stärkenorientierten Blick. Wer gelernt hat, mit Unsicherheit, Brüchen oder extremen Belastungen umzugehen, bringt Kompetenzen mit, die in einer komplexen und dynamischen Welt von unschätzbarem Wert sind.
Überschätzt wird aus meiner Sicht hingegen eine rein technische Betrachtung von Future Skills. Zu oft reduzieren wir sie auf Tools, Methoden oder digitale Fähigkeiten – und attestieren uns diese Kompetenzen vorschnell selbst. Doch Future Skills sind mehr als technisches Know-how. Sie umfassen Haltung, Urteilsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit.
Future Skills sind nichts Statisches. Sie dürfen und müssen weiterentwickelt und erlernt werden. Nicht als Selbstzweck, sondern als Grundlage für individuelle Teilhabe und echte gesellschaftliche Zukunftschancen.
Eine besonders prägende Erfahrung durfte ich im Jahr 2011 machen. Ich stand im Klassenzimmer der 5a, sollte unterrichten, konnte nicht. Der Grund war Liebeskummer. Tränenüberströmt versuchte ich eine Arbeitsanweisung über die Lippen zu bringen. Das klappte nicht. Daraus entstand eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich in meiner direkten Zusammenarbeit mit Kindern machen durfte. Sie übernahmen Verantwortung: für sich, für die Klassengemeinschaft und für mich. Sie entschieden selbst, woran sie arbeiten wollten, unterstützen sich gegenseitig und immer wieder kam ein Kind, um mich zu berühren: Mal mit Worten, mal mit einer unterstützenden Hand auf meiner Schulter, mal mit einem gereichten Taschentuch.
Dieser Moment veränderte alles für mich in der Rolle als Lehrerin. Mein Ver- und Zutrauen in Kinder und Jugendliche ist seither enorm gewachsen. Für mich ist das die Basis, um sich weiterzuentwickeln und um Räume zu schaffen, in denen andere wachsen können, unabhängig von Lebenslage und Lebensabschnitt.