Future Skills im Dialog
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Future Skills Fragebogen

10 Fragen zur Bildung von morgen

06. März 2026

1. Future Skills – in a nutshell: 
Was sind Future Skills für Sie – in einem Satz?

Future Skills sind für mich übergreifende Fähigkeiten, die es uns ermöglichen, in verschiedenen Situationen und mit Blick auf eine sich ständig wandelnden Welt handlungs- und gestaltungsfähig zu bleiben.

2. Wenn Sie priorisieren müssten
: Welche drei Kompetenzen werden für die Lebens- und Arbeitswelt von morgen wirklich entscheidend – und warum gerade diese?

Folgende drei Kompetenzen finde ich für die Zukunft besonders wichtig:

1)   Anpassungsfähigkeit: In einer immer schnelllebigeren und komplexeren Welt ist dies eine Schlüsselkompetenz. Es geht nicht nur darum, auf Veränderungen zu reagieren, sondern auch darum, Wandel aktiv und mutig gegenüberzustehen. Das erfordert Offenheit und Neugier, die Bereitschaft, Bestehendes bewusst zu verlernen, um dann effektiv auf neue Anforderungen reagieren zu können.
2)   Unternehmerisches Denken und Handeln: Diese Kompetenz umfasst mehrere Fähigkeiten, darunter die, über den Tellerrand hinauszuschauen, Verbindungen und Chancen zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und mutig ins Handeln zu kommen – egal an welcher Stelle im Unternehmen man tätig ist.
3)   Emotionale Intelligenz: Technologie kann die Arbeitsweise optimieren, aber der Wert von Zusammenarbeit wird weiterhin sehr hoch bleiben. Die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und Denkweisen sowie die Anderer zu verstehen, empathisch zu kommunizieren und Beziehungen zu gestalten, wird daher umso wichtiger, um weiterhin den Menschen im Mittelpunkt zu behalten.

3. Zwischen Buzzwords und Bildung
: Viele sprechen über Future Skills – wenige fördern sie systematisch. Wie sorgen Sie dafür, dass Studierende nicht nur Schlagworte lernen, sondern tatsächlich handlungsfähig werden? Welchen Stellenwert nimmt das in Ihrer Arbeit ein?

Das ist der Kern unserer pädagogischen Arbeit bei dm-drogerie markt. Wirkliche Kompetenz entsteht nicht durch reine Wissensvermittlung, sondern durch das Erleben, die Anwendung und die Reflexion. Deshalb ist uns wichtig, Lerngelegenheiten entsprechend zu gestalten und den sinnvolle und zukunftsorientierte Lernchancen zu bieten. 

Wir setzen stark auf das Lernen im Arbeitsprozess und auf Formate, in denen reale Problemstellungen erarbeitet werden. Informelles und implizites Lernen, und darin in Eigenverantwortung und Selbstführung zu kommen ist dabei oft deutlich kompetenzfördernder und nachhaltiger als jedes eher theorielastiges Seminar.

4. Mensch und Maschine
: Wie bereiten Sie Menschen konkret auf eine digitale, zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt vor?
Was darf dabei Ihrer Meinung nach nicht an KI delegiert werden?

dm bietet viele verschiedene Lerngelegenheiten, die u.a. auf die essenziellen Zukunftskompetenzen wie Digital Literacy und KI-Anwendungskompetenz einzahlen. Dazu zählen digitale Lernangebote zu Tools aber auch zu übergreifenden Themen wie kritischem Umgang mit KI. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Veranstaltungsreihen und Austauschrunden. Zudem sehen wir es auch hier als sinnvoll an, früh ins direkte Arbeiten mit den Tools zu kommen, und viel direkt im Arbeitsalltag auszuprobieren. 
Was aus unserer Sicht wichtiger ist als die rein technische Komponente ist die des bewussten Umgangs mit KI. Dazu gehören Entscheidungen wie: Wann nutze ich KI als Werkzeug und wann nicht? Liegt der Wert der anstehenden Aufgabe im Ergebnis oder vielleicht im Lernprozess des Tuns selbst? 

So viel steht für mich fest: Momente, die auf Vertrauen und Empathie basieren – wie Feedback- oder Entwicklungsgespräche – dürfen niemals an eine Maschine delegiert werden. Denn die Verantwortung, wichtige Entscheidungen zu treffen, das eigene Lernen und der Aufbau echter Beziehungen sind und bleiben zutiefst menschliche Aufgaben.

5. Der Realitätscheck
: Wo sehen Sie derzeit die größten Lücken zwischen dem,
was Hochschulen (oder Bildungssysteme) vermitteln,
und dem, was Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft tatsächlich verlangen?


Die größte Lücke sehe ich in der Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit. Als Unternehmen können und müssen wir sehr schnell auf Veränderungen am Markt oder in der Gesellschaft reagieren oder in vielen Fällen auch proaktiv vorangehen. Bildungsinstitutionen unterliegen oft längeren, bürokratischen Prozessen, was die Möglichkeiten für Aktualisierungen deutlich verlangsamt.

Zudem liegt der Fokus in den Vorlesungen oftmals noch auf der Vorbereitung des Bestehens einer standardisierten Prüfung am Ende, anstatt auf nachhaltigen Wissens- und Kompetenzaufbau durch die Arbeit an realen Problemstellungen sowie die Nutzung diverserer Prüfungsformen.
Gleichzeitig sehe ich aber auch sehr positive Bewegungen, beispielsweise an der DHBW. In dieser Zusammenarbeit erlebe ich Offenheit und Willen, diese Lücke zu schließen. Die Integration von Future Skills oder die Modernisierung von Studienmodellen sind der beste Beweis dafür, dass in der gemeinsamen Entwicklung von zukunftsfähigen Bildungsformaten großes Potenzial steckt.

6. Haltung schlägt Technik: 
Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Haltung, Verantwortung und Urteilskraft im Vergleich zu technischen oder methodischen Kompetenzen?

Benötigtes Fachwissen und technische Skills können sich in Zukunft schneller verändern – was heute relevant ist, kann morgen weniger wichtig sein. Eher haltungsorientierte Kompetenzen sind hingegen das Fundament, das uns befähigt, mit genau diesem Wandel umzugehen. Sie sind langfristiger und helfen dabei, uns immer wieder neu auszurichten, neue Fähigkeiten zu erlernen und zu entscheiden, welche Technologien wir wozu einsetzen.

7. Bildung neu denken
: Wenn Sie eine Regel, ein Prinzip oder eine Struktur im heutigen Bildungssystem sofort ändern könnten, um Future Skills besser zu fördern - welche wäre das?


Das heutige Bildungssystem belohnt zu oft ausschließlich die kurzfristige Wiedergabe von Fakten in Einzelprüfungen, was weder nachhaltig noch praxistauglich ist.

Stattdessen würde ich Lernformate in den Mittelpunkt rücken, in denen Studierende an komplexen, realen Problemen arbeiten, Dilemmata aushandeln und unterschiedliche Perspektiven integrieren müssen. An die Stelle des klassischen Einzelprüfungsfokus würde ich formative, dialogische Feedbackprozesse und die Arbeit an Portfolios setzen.

So schaffen wir eine Kultur, in der die langfristige Kompetenzentwicklung mehr zählt als die eine Note zu einem bestimmten Zeitpunkt. Es geht darum, den Lernprozess sichtbar zu machen, um Kompetenzen wie Kreativität, Selbstorganisation, Kollaboration, Selbstreflexion und Resilienz wirklich zu fördern.

8. Persönlich gefragt
: Welches Future Skill ist für Sie persönlich das wichtigste –
nicht theoretisch, sondern im eigenen Denken, Arbeiten oder Entscheiden? Warum?

Für mich persönlich ist es die Werteorientierung. Im Arbeitsalltag aber auch im Privatleben gibt es selten einfache Richtig-oder-Falsch-Antworten, und genau hier werden gelebte Werte zu meinem inneren Kompass. Dieser Kompass hilft mir, meine Entscheidungen und Handlungen an grundlegenden Prinzipien wie ethischer Verantwortung, Demokratie und Nachhaltigkeit auszurichten. Es geht darum, sinnorientiert zu handeln, Dinge kritisch mit Blick auf diese Prinzipien zu hinterfragen und ein gutes Miteinander zu fördern. Diese Haltung ist für mich der Kern von Zukunftsfähigkeit und Menschlichkeit.

9. Zum Schluss
: Was sollten wir beim Thema Future Skills unbedingt ernster nehmen – und was wird Ihrer Meinung nach überschätzt?

Nicht unterbewerten sollten wir, dass die Förderung von Future Skills kein Add-on ist, sondern oft tiefgreifende organisationale Veränderungsprozesse erfordert. Es reicht nicht, ein paar neue Schulungen anzubieten oder Buzzwords einzuführen. 
Wir müssen unsere Kultur, unsere Führungsprinzipien und unsere Strukturen so verändern, dass sie diese Kompetenzen im Alltag ermöglichen und fördern. 

Überschätzt wird meiner Meinung nach die Fokussierung auf einzelne, spezifische digitale Tools. Die Beherrschung von Tool X oder Software Y ist vergänglich. Was zählt, ist die übergeordnete Fähigkeit, sich neue Technologien selbstständig zu erschließen, ihren Nutzen kritisch einzuordnen und sie sinnorientiert für die eigenen Ziele einzusetzen.

10. Ein Buch, ein Gedanke oder eine Erfahrung, die Ihr Verständnis von Future Skills besonders geprägt hat?

Ein Buch, ein Gedanke oder eine Erfahrung, die Ihr Verständnis von Future Skills besonders geprägt hat? 
Zunächst fällt mir die Haltung von dm-Gründer Götz Werner ein. Sein Gedanke, dass Arbeit die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bieten und das Unternehmen eine Bühne für die Biografie der Mitarbeitenden sein sollte, ist mit Blick auf Future Skills eine ständige Erinnerung daran, dass es nicht darum geht, Menschen für die Wirtschaft zu optimieren, sondern darum, ein Umfeld zu gestalten, in dem Menschen wachsen können.

Ein Buch, das mein Blick auf Future Skills geprägt hat, als ich begann mich so richtig mit dem Thema zu befassen, ist der Future Skills Navigator von Arndt Pechstein und Martin Schwemmle. Was ich besonders relevant finde, sind die Aufteilung und bewusste Benennung der Kompetenz-Klassen und -Ebenen, die sehr gut zu unserer Unternehmenskultur passen.

Generell finde ich es auch wichtig, sich als Unternehmen nicht einfach eine der unzähligen Listen an Future Skills aus dem Internet zu ziehen und dies 1:1 so zu verwenden, sondern sich tiefer damit zu befassen, mehrere Quellen heranzuziehen, und auch Unternehmensquellen und interne Entwicklungen zu berücksichtigen.



Simon Frey ist Experte für die pädagogische Konzeption von Ausbildung und Studium bei dm-drogerie markt. Dort verantwortet er u.a. strategische Projekte mit dem Ziel, die Lern- und Entwicklungsangebote im Studium zukunftsfähig zu gestalten, und befasst sich intensiv mit der Rolle und Verankerung von Future Skills.Er arbeitet interdisziplinär mit internen und externen Stakeholdern wie Hochschulpartnern zusammen und beobachtet gesellschaftliche sowie digitale Bildungstrends.Zuvor war er mehrere Jahre bei GRENKE AG tätig – unter anderem im Change Management, im internationalen Marketing- und Projektmanagement sowie als Executive Assistant des CRO/COO. Seine Laufbahn verbindet Projektmanagement, Kulturentwicklung und HR-Expertise mit einer klaren Ausrichtung auf zukunftsorientierte Kompetenzentwicklung.

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