Future Skills im Dialog
zurück zur Übersicht

Future Skills Fragebogen

10 Fragen zur Bildung von morgen

03. April 2026

1.   Future Skills – in a nutshell
: Was sind Future Skills für Sie – in einem Satz?

„It’s just one damn thing after another“ ist ein herrlich bodenständiger britischer Ausdruck für das, was viele heute als Polykrise beschreiben. Im Kern verstehe ich Future Skills als bildungspolitische Leitidee, der Menschen neben fachlicher Qualifikation überfachlich befähigt, in einer Welt, in der immer etwas los ist, handlungsfähig, gestaltend und gesund zu bleiben.
 
2.   Wenn Sie priorisieren müssten
: Welche drei Kompetenzen werden für die Lebens- und Arbeitswelt von morgen wirklich entscheidend – und warum gerade diese?
Aufbauend auf dem „Future-Skills-Framework 2030“ vom Stifterverband würde ich drei Kompetenzen herausgreifen, die in einer Welt, in der „immer was los ist“, besonders tragen:

  • Problemlösungskompetenz – weil Krisen selten „Lehrbuchprobleme“ sind: Man muss Situationen strukturieren, priorisieren, Optionen testen und handlungsfähig bleiben, auch wenn nicht alle Informationen vorliegen.
  • Medienkompetenz – weil Information und Desinformation gleichzeitig zunehmen: Quellen prüfen, Kontexte verstehen, KI-/Tool-Outputs beurteilen und Kommunikation verantwortungsvoll gestalten wird zur Grundvoraussetzung.
  • Systemkompetenz – weil die großen Themen (Klima, Energie, Sicherheit, Wirtschaft, Gesundheit) vernetzt sind: Wer Wechselwirkungen versteht, kann bessere Entscheidungen treffen und nachhaltiger gestalten – statt nur Symptome zu bekämpfen.
     
3.   Zwischen Buzzwords und Bildung
: Viele sprechen über Future Skills – wenige fördern sie systematisch. Welchen Stellenwert nimmt das in Ihrer Arbeit ein?
Im Digital Learning Campus (DLC) nimmt das Thema Future Skills einen zentralen Stellenwert ein – aber nicht als Buzzword, sondern als systemischer, bildungsbereichsübergreifender Ansatz: Wir denken Future Skills entlang von außerschulischer Bildung, Hochschulbildung und berufsbegleitendem Lernen und verbinden diese Bereiche über konkrete Lernformate. Zentral sind dabei unsere festen und mobilen physischen Lernorte dort, wo Menschen leben und arbeiten sowie flexible Online-Kurse – also Lerngelegenheiten, die nah an der Praxis sind und gleichzeitig skalieren. Unser Anspruch: niederschwellige, kostenfreie und vielfältige Angebote, die für alle zugänglich sind – ohne Hürden und ohne Sonntagsreden. Alles mit einem Klick auf dlc.sh.
 
4.   Mensch und Maschine
: Wie bereiten Sie Menschen konkret auf eine digitale, zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt vor?
Was darf dabei Ihrer Meinung nach nicht an KI delegiert werden?
Wir bereiten Menschen im Digital Learning Campus (DLC) sehr konkret und praxisnah auf eine digitale, zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt vor – und wir merken auch: KI ist aktuell das Hauptinteresse der Lernenden, das sehen wir direkt an Suchbegriffen und Klicks auf der DLC-Plattform. Deshalb setzen wir stark auf Online-Kurse und Lernpfade rund um KI-Anwendung sowie auf unsere festen und mobilen Lernorte, in denen Teilnehmende das Gelernte in Use-Cases, Projekten und Workshops sofort ausprobieren: von guter Aufgabenformulierung und Prompting über kritisches Prüfen von Outputs bis hin zu Prototyping und Teamarbeit.

Was dabei nicht an KI delegiert werden darf, ist alles, was Verantwortung trägt: Zielsetzung und Werte, Urteilskraft (Einordnen, Abwägen, Entscheiden), Beziehungs- und Führungsarbeit sowie die ethische Verantwortung für Folgen, Fairness, Datenschutz und Transparenz. KI kann beschleunigen, teils auch entlasten – aber die Verantwortung für Richtung und Wirkung bleibt beim Menschen.
 
5.   Der Realitätscheck
: Wo sehen Sie derzeit die größten Lücken zwischen dem,
was Hochschulen (oder Bildungssysteme) vermitteln,
und dem, was Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft tatsächlich verlangen?
Hochschulen sind hier aus meiner Sicht schon sehr engagiert und bewegen enorm viel – gerade bei neuen Studienformaten, Praxisprojekten und im Transfer von Forschung. Gleichzeitig sind wir jetzt in einer Phase, in der wir noch stärker ins Ausprobieren kommen müssen: Bildung endet nicht mit dem Abschluss, sondern wird zur Infrastruktur für lebenslanges Lernen. Die Lücke entsteht vor allem dort, wo flexible, transferorientierte Angebote noch fehlen oder zu schwer zugänglich sind – etwa Microdegrees, praxisnahe und flexible Weiterbildungsformate und Use-Case-orientierte Begleitung, die Menschen und Organisationen konkret bei der Anwendung unterstützt. Teils sind hier aber auch Hochschulen von starren Rahmenbedingungen im Bereich Studium und Weiterbildung gebremst. Dennoch setzt der Digital Learning Campus (DLC) genau hier an: gemeinsam mit Hochschulen solche Formate entwickeln, erproben und niedrigschwellig in die Breite bringen.
 
6.   Haltung schlägt Technik: 
Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Haltung, Verantwortung und Urteilskraft im Vergleich zu technischen oder methodischen Kompetenzen?
Für mich ist das ganz einfach: Tools und Methoden kann ich lernen, meistens sogar learning by doing – aber entscheiden muss ich selbst. Gerade mit KI ist Haltung und Urteilskraft das, was den Unterschied macht: Was ist sinnvoll, was ist fair, was ist verantwortbar – und was lasse ich lieber sein? Technik hilft beim Tempo, Verantwortung und Konsequenzen bleiben beim Menschen.
 
7.   Bildung neu denken
: Wenn Sie eine Regel, ein Prinzip oder eine Struktur im heutigen Bildungssystem sofort ändern könnten, um Future Skills besser zu fördern - welche wäre das?
Ich würde die Strukturen fürs lebenslange Lernen flexibilisieren: Hochschulen sollten Weiterbildung viel leichter als Transfer in die Gesellschaft gestalten und dafür passende, schlanke Rahmenbedingungen haben – ohne dass es sich wie „Sonderbetrieb“ anfühlt. Gleichzeitig würde ich die berufliche Weiterbildung konsequent an die heutige Arbeits- und Lebensrealität anpassen und Instrumente wie Bildungsurlaub so ausrichten, dass sie auch innovative, flexible Weiterbildungsformate (kurze Module, Microcredentials, praxisnahe Programme) wirklich unterstützen. Kurz: Weg von starren Wegen – hin zu modularen Lernpfaden, die schnell, zugänglich und anschlussfähig sind.



8.   Persönlich gefragt
: Welches Future Skill ist für Sie persönlich das wichtigste –
nicht theoretisch, sondern im eigenen Denken, Arbeiten oder Entscheiden? Warum?
Für mich persönlich ist Medienkompetenz das wichtigste Future Skill, weil ich im Alltag immer wieder sehe: Handlungsfähig ist, wer die Basics am PC und Smartphone wirklich beherrscht und gleichzeitig offen bleibt, neue Tools auszuprobieren. Gerade bei KI merkt man schnell, dass es nicht um „das eine Tool“ geht, sondern darum, KI sinnvoll ins eigene digitale Repertoire einzubauen – also im Zusammenspiel mit Recherche, Daten, Kommunikation und Workflows. Wer das kann, arbeitet entspannter, schneller und souveräner – privat wie beruflich.



9.   Zum Schluss
: Was sollten wir beim Thema Future Skills unbedingt ernster nehmen – und was wird Ihrer Meinung nach überschätzt?

Wenn ich ins Ausland schaue, wird lebenslanges Lernen oft konsequenter und selbstverständlicher gedacht – als laufende Qualifizierung in kurzen, flexiblen Formaten, die sich gut in Arbeit und Alltag integrieren lassen. Überschätzt wird bei uns dagegen manchmal das Streiten ums „beste“ Future-Skills-Framework: Es ist großartig, dass es inzwischen eine breite Bewegung hinter dem Leitgedanken gibt – wichtiger ist aber, die Energie nicht in Verästelungen zu verlieren, sondern die Leidenschaft fürs Lernen zu bewahren, ins Tun zu kommen und andere damit anzustecken.
 
10.   Ein Buch, ein Gedanke oder eine Erfahrung, die Ihr Verständnis von Future Skills besonders geprägt hat?
Mich hat besonders das kurze, aber pointierte Buch von Roger Willemsens „Wer wir waren“ geprägt – weil es so klar macht, dass Zukunft keine einfache Fortschreibung der Vergangenheit ist und dass viele Prognosen genau daran scheitern. Für mein Verständnis von Future Skills heißt das: nicht auf vermeintliche Gewissheiten bauen, sondern Urteilskraft, Lernfähigkeit und Verantwortung entwickeln, um in offenen Zukünften handlungsfähig zu bleiben.


Dr. Ronny Röwert leitet die Geschäftsstelle des Digital Learning Campus SH (DLC). Der DLC besteht aus einer digitalen Lern- und Kollaborationsplattform zu Future Skills sowie physischen Lernorten in allen Regionen von Schleswig-Holstein. Zuvor hat er Transformationsprojekte im Kontext digitaler Bildung bei den Stationen CHE Consult, Kiron Open Higher Education, Stifterverband und Technische Universität Hamburg verantwortet.

Datenschutzeinstellungen

Sie können hier die Einstellungen für die Cookies anpassen.

Wählen Sie bitte aus, welche Cookies Sie akzeptieren möchten und bestätigen Sie durch Klicken des Button. Sie werden anschließend auf die Startseite zurückgeleitet.

Bitte beachten Sie, dass beim Setzten des Hakens "Externe Medien" Daten, wie Beispielsweise Ihre IP-Adresse, an Google und somit möglicherweise in ein Drittland ohne Datenschutzabkommen übermittelt werden. Dies geschieht insbesondere, wenn Sie unsere Videos anschauen.